Der Große Meister des Schweigens

16.10.2010 - HOCHHEIM

Von Uli von Mengden

LESUNG Autor Wolfram Eilenberger liest in Hochheim aus seinem Bestseller „Finnen von Sinnen“

Selten wohl werden bei einer Veranstaltung in Hochheim die Gäste auf Finnisch begrüßt. Dieses ungewohnte Vergnügen ermöglichte Jutta Bummel von der Buchhandlung Eulenspiegel, die zur Begrüßungsformel in finnischer Sprache ansetzte, wofür sie allerdings auch den ganzen Nachmittag geübt hatte, wie sie schmunzelnd anmerkte. Vor großem Publikum präsentierte Wolfram Eilenberger sein Buch „Finnen von Sinnen“, das wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste stand.

In der literarisch interessierten Öffentlichkeit ist der Autor kein Unbekannter. Neben seinen Buchveröffentlichungen schreibt auch für die Wochenzeitung „Die Zeit“ und das Monatsmagazin „Cicero“. Gut die Hälfte des Publikums gab auch zu erkennen, dass sie schon einmal Finnland als Urlaubsland auserkoren hatten.

Seltsame Wettbewerbe

Dass Finnland sein überaus positives Image, daraus beziehe, dass man es gerne in die Nische der Skurrilität stecke, analysierte Eilenberger in der Einleitung. Was auch durch seltsam anmutende Wettbewerbe wie Handyweitwurf oder Moorfußball nicht verwunderlich sei. Mit bestens funktionierendem Bildungssystem und Führerschaft in der Kommunikationstechnologie können die Finnen aber ebenso punkten.

In „Finnen von Sinnen“ hat Eilenberger als Autobiografie eine Art Schelmenroman geschrieben, der von den letzten 24 Stunden vor seiner Heirat mit einer Finnin, der ehemaligen Basketballnationalspielerin Pia Päiviö handelt. Es ist eine Liebeserklärung an seine Künftige, die er meist „Schöne“ nennt und gleichzeitig an das nordische Land. Denn wer eine Ausländerin heirate, heirate schließlich auch immer deren Herkunftsland mit, wie der Autor augenzwinkernd erläuterte. So lernten die Zuhörer zunächst die große Verwandtschaft der Angetrauten kennen. Das sind vor allem große Meister des Schweigens mit der Fähigkeit, nach langem Nachdenken die Dinge auf den Punkt zu bringen. Man erfährt, dass nahezu jeder finnische Mann ein „pömpeli“ hat, einen Raum, in den er sich zurückzieht, wenn das Leben einmal schwierig wird. Natürlich geht es auch in die Sauna, wo der Aufguss „löyly“ heißt, die Birkenquaste auf den schweißtriefenden Rücken saust und beim Duschen Teershampoo benutzt wird.

Die finnische Tierwelt, die Elche, Fische, und immer wieder die große Vielfalt an Stechmücken findet viel Raum. Herrlich immer wieder die Passagen, in denen der Autor bemüht ist, des Finnischen Herr zu werden, obgleich er sogar dort Philosophie studiert hat.

Erscheinungsdatum: 
16. Oktober 2010
Erschienen in: 
Wiesbadener Kurier