Wenn Eulenspiegel ruft, kommt ein Narr
Von Ingeborg Toth
Bis auf den letzten Platz besetzt war der Kurfürstensaal des Hochheimer Hofes, als Herbert Bonewitz die Bühne betrat: „Ein Narr packt aus“ heißt sein neuestes Buch, aus dem er vortrug. Rechtzeitig zu seinem 77. Geburtstag hat der bekannte Fastnachter und Kabarettist seine Lebenserinnerungen zu Papier gebracht. Bonewitz spielte auf den Veranstalter an, die Buchhandlung Eulenspiegel: „Wenn ein Eulenspiegel ruft, muss ein alter Narr auch kommen.“ So liebt das Publikum ihn: Es liebt seinen hintersinnigen Wortwitz, gepaart mit handfester Komik.
Er präsentierte nicht nur Passagen aus seinen Lebenserinnerungen, sondern auch aus seinem allerersten Buch. In „Typisch Bonewitz“ sind kabarettistische Texte zusammengetragen, aus der Zeit im Mainzer „unterhaus“. Herbert Bonewitz flüchtete 1975 aus der Fastnachtsszene in den Mainzer Kabarettkeller. Fast über Nacht wurde er Kabarettist. Ein Seitenwechsel, der beide Lager irritierte. Den Fastnachtern war er fortan zu kabarettistisch und manchem Vertreter der Kabarettszene zu fastnachtlich.
In „Typisch Bonewitz“ finden sich auch Reden, die der legendäre „Prinz Bibi“ hielt. Allein die Erwähnung dieser Figur löste einen spontanen Lacher im Publikum aus. Bonewitz: „Was der alles losgelassen hott…“ Der Gast aus Mainz hatte noch ein Werk mitgebracht: „Zwischen allen Stilen“, in dem er kuriose Erlebnisse festgehalten hat. „Beide Bücher sind von verschiedenen Verlagen herausgegeben worden, die danach leider verschieden sind. Ich weiß nicht, ob es an mir gelegen hat, die Editionen wurden jedenfalls aufgelöst. Also die waren pleite.“ Seine Autobiografie gab er in einem Verlag heraus, „der mehr Beständigkeit verspricht“. Die Zusammenarbeit mit dem neuen Verleger sei problemlos. „Wir sind entfernte Verwandte. Ich wohne in Gonsenheim, er in Bodenheim. Es handelt sich dabei um meinen langjährigen Sohn Michael.“
Bonewitz gestattete auch unterhaltsame Einblicke in den Unruhestand eines Narren. Urgestein sei er wohl - jedenfalls fällt diese Bezeichnung im Zusammenhang mit seinem Namen. „Urgestein ist bekanntlich eine Felsformation aus längst vergangenen Zeiten. Erstarrt, grau, uralt - und genauso fühle ich mich auch manchmal.“ Auf 344 Seiten hat er seine Lebensgeschichte geschildert. „Mit sehr vielen Fotos. Darauf habe ich Wert gelegt, weil ich die in Biografien immer gern sehe.“ Er erzählt in 142 Kapiteln auch Mainzer Kultur- und Stadtgeschichte. Das Publikum hörte ihm gebannt zu und spendete begeisterten Applaus.
Der Autor verzichtete auf die Gage. Der Erlös der Abends fließt einem guten Zweck zu: Bonewitz unterstützt damit die Aktion „Hochheim liest“. Ende Mai sind nahezu 40 Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche geplant, die keinen Eintritt kosten werden. Leseförderung, so versicherte der Gast aus Mainz, liege ihm sehr am Herzen.



